Die Schönheit Böhmens erleben


Český Krumlov, zu deutsch Krummau oder böhmisch Krumau wird auf Platz 2 der UNESCO-Liste schützenswerter Denkmäler in Europa geführt. Der historische Stadtkern liegt malerisch eingebettet in einer omegaförmigen Schleife der Moldau. Daher auch der Name: krumme Aue.

Venedig an der Moldau

Das Moldaustädtchen, von den Deutschen schon vor dem II. Weltkrieg als Perle des Böhmerwaldes bezeichnet, hat heute den Zusatz "Venedig an der Moldau". Die historische Altstadt ist durch die Lage am Eisernen Vorhang von Bausünden der vergangenen 60 Jahre verschont geblieben. So bildet sich ein einzigartiges Ensemble von historischen Bauten und landschaftlicher Schönheit. In der Stadt besteht ein Wachsfigurenmuseum und ein Foltermuseum, ebenso das historische Schloss. Eine Besichtigung der Eggenberger Brauerei ist möglich.

Krummau ist Kreisstadt im Südböhmischen Bezirk und hat 13.942 Einwohner (2005).

Geschichte

Das Schloss Český Krumlov wurde vor 1250 in gotischem Stil von den Herren von Krumau errichtet. Nach deren Aussterben 1302 fielen Schloss und Herrschaft Krumau an die Familie Rosenberg. Kaiser Rudolf II. kaufte Krumau 1602 und überließ es seinem illegitimen Sohn Julius d’Austria als Wohnsitz. Nach der Schlacht am Weißen Berg installierten die Habsburger in weiten Teilen Böhmens neue, habsburgtreue Grundherren; wahrscheinlich im Zuge dieser Entwicklung schenkte Ferdinand II. Krumau den Fürsten Eggenberg. Nach deren Aussterben 1719 fiel Krumau an die Fürsten Schwarzenberg; 1910 hatte die Stadt 8662 Einwohner, davon 7367 deutsch- und 1295 tschechischsprachig. 1918 nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie gehörte Krumau vom Oktober 1918 bis zum September 1919 zum Bundesland Oberösterreich der neu gegründeten Republik Deutschösterreich. Im November 1918 wurde es von tschechischen Truppen besetzt. Nach dem Münchner Abkommen von 1938 gehörte die Stadt bis 1945 zum in Oberdonau umbenannten Gau Oberösterreich.

1945 wurde die deutsche Bevölkerung aufgrund der Beneš-Dekrete praktisch zur Gänze aus ihrer Heimat vertrieben. Tschechische Neusiedler wurden teilweise zwangsangesielt und übernahmen Wohnungen, Geschäfte und Betriebe. 1947 wurden das Schloss und der Grundbesitz verstaatlicht.

Egon Schiele in Krumau

1911 zog der Maler Egon Schiele nach Krummau, den Geburtsort seiner Mutter, und richtete sich hier ein Atelier ein. Mit seiner wilden Ehe und Aktdarstellungen junger Mädchen stieß er bei der Bevölkerung auf Ablehnung. Bereits im selben Jahr sah er sich gezwungen, nach Neulengbach bei Wien umzuziehen. Als Folge seiner Zeit in Krummau wurde Schiele im April 1912 wegen des Verdachts auf Verführung einer Minderjährigen verhaftet. Trotz unbewiesener Schuld blieb er mehr als 20 Tage inhaftiert.

Český Krumlov beherbergt ein Egon-Schiele-Museum in einem alten Brauereigebäude. Neben der ständigen Ausstellung sind dort auch Wechselausstellungen moderner Kunst (zum Beispiel Edvard Munch und Salvador Dalí) zu sehen.